| Die Geschichte nimmt ihren Lauf,... |
 |
„Inea, ich bitte Euch. Wisst ihr auch genau was ihr da vorhabt?“ Die schlanke Frau stand an der langen Fensterfront im Thronsaal von Gil’Leading, der Kristallenen Stadt, welche im Volksmund nur Gil’Lead genannt wird. Der Mann, der gesprochen hatte, war vom Aussehen her im gehobenen Alter, trug eine gekreuzte Brille, seine Haare bekamen auch schon den ersten Grauschimmer und lichteten sich. Kummerfalten legten seine Stirn kraus. „Ich weiß worauf ich mich einlasse Kiron. Versuche nicht erst mich davon abzuhalten. Es ist der einzige Weg der uns bleibt.“ Ihre Stimme war besorgt und das sonst so schöne Gesicht war ebenfalls voll Kummer, ihre braunen Locken wallten um das Gesicht und hinter ihr trat ein Einhorn näher. Seine Mähne war bräunlich und ein Goldschimmer funkelte in der Morgensonne darin. „Sie hat Recht Kiron. Wir haben alles genau durchdacht.“ Der Ältere wandte sich etwas resigniert dem weißen Einhorn zu. „Ich hätte nie gedacht das von dir zu hören, Ho´ren.“ Kiron drehte sich dann um und wollte schon den Raum verlassen, als er wieder zurückgerufen wurde. „Hast du einen anderen Vorschlag, Oberer?“ Inea gab sich nun der Frustration hin und ihre Gefühle wandelten sich in leichten Zorn. „Es ist zwar nur eine Legende, aber wenn es wirklich die Möglichkeit gibt Hilfe aus einer anderen Welt zu rufen, so werde ich dies versuchen. Ich sehe nicht länger zu wie ER unser Land zerstört und die Menschen versklavt oder tötet. Die letzte Schlacht hat zu viele Opfer gefordert!“
Der Obere Kiron wandte sich wieder um. „Eure Sturheit wird das Land auch nicht retten. Ihr wisst nicht was der Zauber für ein Opfer verlangt und ob er überhaupt wirkt.“
Mit einer schneidenden Handbewegung beendet sie das Gespräch. „Ich habe mich entschieden und werde den Zauber wirken. Geht jetzt Kiron.“
Niedergeschlagen verließ der Mann den Raum und schien in wenigen Minuten um Jahre gealtert zu sein.
Was war geschehen?
Thalia war ein friedliches Land gewesen, abgesehen von den paar kleineren Dieben und Halunken, welche sich in den dunklen Gassen großer Städte herumtrieben. Der Frieden Thalias wurde vor allem durch den Orden der Sidhe gewährt. Die Sidhe, oder auch Reiter genannt, sind eine art Armee. Die Sidhe sind Menschen welche oft schon als Kinder Neigung zur Magie zeigten und sich während ihrer Ausbildung mit einem magischen Tierwesen verbanden. Drachen, Greife, Einhörner und andere magische Wesen, arbeiteten zusammen mit ihren Partnern für den Frieden in Thalia. Sie zogen umher und heilten dabei Verwundete und Kranke oder befreiten die Städte von Unruhestiftern. Zusammen konnten die Sidhe-Partner Magie entfesseln, wie sie in ihrer Stärke den sterblichen Völkern sonst fremd war.
Die Bevölkerung brachte den Sidhe viel Dank entgegen und überall wurden Reiter und Partner mit offenen Armen empfangen. Über dem ruhte der Segen der jungen Kaiserin Inea, welche erst drei Jahre auf dem Thron in Gil’Leading saß.
Doch der Frieden sollte nicht mehr länger währen. Das Gerücht ging um, Kaiserin Inea säße zu Unrecht auf ihrem Thron. Die Krone würde in Wahrheit einem anderen zustehen.
Die Rede war von Vodras, einem anderen Sidhe. Vermutlich hatte er das Gerücht selbst in die Welt gesetzt, jedoch war er tatsächlich mit Inea verwandt. Sein Großvater war vor rund 100 Jahren bei der Thronfolge übergangen worden, um dessen jüngeren Bruder, Ineas Großvater, auf den Thron zu heben. Grund war damals, dass man Ineas Großvater für fähiger hielt, da er ein Sidhe war. Vodras konnte zu Beginn viele Menschen, Zwerge und sogar Sidhe von der Rechtmäßigkeit seines Thronanspruches überzeugen. Doch bald kämpfte unter seiner Führung auch anderes niederes Gesindel und dunkle Wesen der Nacht.
Kiron, der Obere des Sidhe-Ordens, rief seine Krieger zusammen um Inea zu schützen. Es kam vor den Toren Gil’Leads zu einer schrecklichen Schlacht, bei der beide Seiten viele Leben einbüßten.
Die Kaiserin verbannte alle Abtrünnigen aus dem Land Thalia und Vodras zog sich mit seinem Drachen und den Überlebenden ins Falkengebirge zurück.
Die Waffenruhe währte nicht lange. Schon kurz nach der Schlacht hat Vodras begonnen die kleineren Dörfer und Gehöfte am Rande des Falkengebirges aus dem Schutz der Berge anzugreifen. Er mordete die Bewohner oder zwang sie in seine Gewalt, wo sie Sklavenarbeiten verrichten mussten. Die Bürger Thalias begannen nun den Sidhe zu misstrauen, denn sie wusste anfangs nicht mehr wen sie vor sich hatten: Gut oder Böse? Das Ansehen des Ordens sank dadurch erheblich, denn die Krieger welche die Dörfer angriffen waren meistens ehemalige Sidhe gewesen. Vodras hatte seiner Armee jedoch einen neuen dunklen Namen gegeben: Zar’Dras, die ewige Dunkelheit.
Man wollte der Sache ein schnelles Ende setzen. Eine Armee von Sidhe und Menschen zogen gegen die verlassene Zwergenfeste Jorgn, in der sich Vodras verschanzt hatte. Einen Tag und eine Nacht rannten sie gegen die unerbittlichen Mauern von Jorgn an, doch sie hielten stand. Zwar hatten beide Seiten Verluste erlitten, doch waren die von Vodras nicht so gross wie die der Sidhe. Geschwächt mussten sie sich zurückziehen.
In dieser Zeit fällte die Kaiserin den Entschluss Hilfe aus einer anderen Welt zu rufen. Es gab in dem Land Thalia eine Legende über vier Auserwählte aus einer anderen Welt, welche mit ihren besonderen Gaben und Wissen, welche sie in Thalia erhalten, dem Land aus einer schweren Not heraushelfen würden.
Es war eine Prophezeiung, welche schon vor hunderten von Jahren einst von einem Oberen der Sidhe vorhergesehen worden war. Die Kaiserin, welche selbst eine Sidhe war, verlangte von dem Oberen Kiron die Schriftrolle mit der Prophezeiung, um den Zauber zu wirken, welcher in der Rolle niedergeschrieben worden war.
Der Obere versuchte die Kaiserin davon abzuhalten, denn die Wirkung des Zaubers war ungewiss. Doch sie ließ nicht mit sich reden und ließ den Zauber wirken. Der Preis war hoch: Alle Energie von ihr und ihrem Partner floss in diesen Zauber und führte dazu, dass sie in einen Schlaf fiel und auch Jahre später nicht erwachte.
15 Jahre später,…
Vodras hat sich mit seiner Armee in ein Land jenseits der Falkengebirge zurückgezogen und dort mit Hilfe seiner Sklaven und Krieger eine Festung errichtet, welche Dras’Loran, „Das dunkle Loch“ genannt wurde. Das Land war schon tot gewesen bevor die Krieger dorthin gezogen waren. Doch nun schien kaum noch Leben dort zu existieren, bis auch ein paar kleine Echsenarten und Sträucher. Das Land wurde Torlamun genannten, „Tal der Dürre“. Hier sammelte er momentan seine Truppen und baute eine Armee auf.
In Thalia unterdessen führte Kiron immer noch den Sidhe-Orden an. Ob der Zauber der Königin gewirkt hatte ist ihm ungewiss, denn die erwartete Hilfe war nicht gekommen.
Die Bürger misstrauten zum Großenteil den Sidhe und setzten ihre Hoffnungen in den Thronbewahrer Hilias, der nun an Stelle Ineas das Land regierte.
Beim Falkengebirge gab es immer wieder noch mal Übergriffe von den Zar’Dras, ein kurzes Vortasten von Vodras Armee. Am Rand des Gebirges waren nun Sidhe-Krieger stationiert, welche die Bevölkerung schützten.
Was die Menschen nicht wussten war die Tatsache, dass vor 15 Jahren als der Zauber gesprochen wurde, vier junge Menschen aus einer anderen Welt in einen Spiegel sahen und nach Thalia gezogen wurden. Doch zwischen den verschiedenen Welten herrschte ein großer Zeitunterschied. Während in Thalia 15 Jahre vergangen waren, waren in der anderen Welt nur wenige Sekunden verronnen. Hier in Thalia warteten ihre Partner schon, denn es war ihr Schicksal, dass sie sich den Sidhe anschließen und die ihnen unbekannte Magie kennen lernen würden.
Können diese vier Menschen und ihre Partner das Schicksal Thalias abwenden und vielleicht sogar die Kaiserin aus ihrem Bann erlösen?
|